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Freitag, 18. Oktober 2013

Das MLP Förderprogramm: Erschließt sich dadurch das eigene Fremdbild?

Quelle: Pixabay.com
Das MLP ¨Förderprogramm¨ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Lücke zwischen dem Selbstbild und dem Fremdbild zu schließen. Der zentrale Punkt bei diesem Programm ist der Golden Profiler of Personality, welcher Online zuvor durchgeführt und ausgewertet wurde.
Die letzte Übung ist mir sehr stark in Erinnerung geblieben. Jeder Teilnehmer hatte vier verschieden Karten in unterschiedlichen Farben (Rot, Gelb, Blau und Grün) bekommen. Während wir planlos durch den Raum marschierten, sollten wir uns vorstellen, welche Karte und damit welche Eigenschaft wir einem anderen Kursteilnehmer zuschreiben sollten. Die rote Karte sollten wir jemanden in die andere Hand drücken, den wir uns als Chef vorstellen könnten. Gelb stand für einen Mitarbeiter, Blau für eine Person, die Einfluss auf uns hat und die grüne Karte solllte jemande bekommen, dem wir Vertrauen schenken. Dies sollte dabei so geschehen, dass wir beim zuschieben der Karten nicht indentifiziert werden sollten. Dabei hielt jeder seine freie Hand - in der anderen waren die eigenen, zu verteilenden Karten, hinter dem Rücken mit den Handflächen nach oben gerichtet.

Ein wenig überrascht war ich über das Ergebnis, als ich mehrere blaue Karten und eine grüne Karte erhielt. Anschließend setzten wir uns in einem Stuhlkreis zusammen und erläuterten, warum wir jemanden genau die Karte zugesteckt haben. Der letzte Schritt erinnerte mich stark daran, was man beim Soziogramm nicht machen sollte. Beim Soziogramm werden zwar auch die Beziehungen untereinander anonym offen gelegt, jedoch bezieht sich das eher auf die Sympathie zwischen den Teilnehmern. Wie dem auch sei, dieses Spiel hat doch viel dazu beigetragen, um herauszufinden, wie wir von anderen Personen gesehen werden. Hier wird also das Fremdbild bedient.

Dennoch ist die Definition des Fremdbildes meiner Meinung nach nicht ganz klar. Das Selbst würde ich als Ergebnis aus den Erinnerungen, den Bedürfnissen und Wünschen definieren. Wie wir uns selbst als Ganzes betrachten, bestimmt also das Selbstbild. Demnach ist das Fremdbild jenes Bild, welche andere von uns haben. Dabei sprechen wir aber immer von einem Bild, obwohl jeder die Welt durch seine eigene Brille sieht. Da die Wahrnehmung von Person zu Person variiert, existieren von der ein und der selben Person mehrere Fremdbilder. Und keiner vermag zu sagen, welches davon das richtige ist. Aber darum geht es mir nicht. Ich habe mich weiterhin gefragt, wie das Ergebnis wohl ausginge, wenn wir uns Teilnehmer untereinander nicht so (gut) kennen würden. Ich habe beispiesweise einer Kommilitonen die grüne Karte in die Hand gedrückt, mit der ich im Laufe dieses und letzten Semesters am meisten zutun gehabt habe. Natürlich auch, weil ich glaube, dass sie sehr vertrauenswürdig ist, was nicht heißt, dass es andere nicht sind.

Nur wem hätte ich diese Karte zugesteckt, wäre ich in einem Raum voller unbekannter Personen? Das Ergebnis wäre selbstvertsändlich ein anderes und vermutlich hätte ich dennoch alle meine Karten an die anderen Teilnehmer verteilt. Aber an welcher Eigenschaft hätte ich Vertrauen und Einfluss festgemacht? In dem fiktiven Fall müsste ich also andere Kriterien heranziehen, um eine Person als vertrauenswürdig einzustufen. Bloß welche wären das gewesen? Und vor allem, kann man dabei noch von einem Fremdbild sprechen? Mittlerweile kenne ich diese Person seit Anfang dieses Jahres, und aus diesem Grund würde ich sie nicht als fremd bezeichnen. Die Grenze zwischen dem Fremdbild und etwas anderem, was entsteht, wenn man eine Person näher kennenlernt, sind da sehr unscharf.

Meiner Meinung nach kann man da nicht mehr von einem Fremdbild sprechen. Vor allem stellt sich mir auch die Frage, welche Karten ich bekommen hätte, wenn wir uns alle untereinander unbekannt gewesen wären. Würde da das Ergebnis signifikant anders ausgefallen, d.h. würde ich Karten auch in anderer Farbe bekommen? Dieses Spiel kann ein sehr großes aha-Erlebnis auslösen, indem es uns zeigt, wie andere Personen uns sehen. Ob es tatsächlich das eigene Frembild ist, hängt davon ab, wie hoch der Bekanntheitsgrad untereinander ist.

Dienstag, 23. April 2013

Rückblick zum Thema Selbsthilfeanleitungen

Quelle: Pixabay.com
Neulich habe ich mich über die Fülle der im Internet kursierenden Anleitung zu sämtlichen Lebenslagen ausgelassen. Zugegeben, das war auch etwas blauäugig zu behaupten, es läge hauptsächlich an der fehlenden Methodenkompetenz. Ich selbst erwische mich immer mal wieder beim Lesen solcher Artikel. Wie sonst wäre ich wohl auf dieses Thema gekommen? Und das Internet ist wirklich voll davon.

Also habe ich mich in den letzten Tagen gefragt, warum lesen die Leute (mich eingeschlossen) das? Zum einen ist da die Idee der fehlenden Zeit. Möglicherweise liegt es auch einfach an der fehlenden Zeit sich mit solchen, manchmal trivialen, Themen auseinander zu setzen. Die Voraussetzungen in allen Lebenslagen adäquat handeln zu können, sind schon lange nicht mehr gegeben. Das ist meiner Meinung auch nicht nötig. Denn was wäre der Mensch ohne seine Ecken und Kanten? Eine Maschine. Sind wir Maschinen? Nein.

Manchmal ist es auch die reine Neugier. Mir geht es oft so, dass ich mich in der ein oder anderen Situation für kompetent genug halte. Aber wer sich für allwissend hält,  hört auf zu lernen. Deshalb suche ich ständig nach Inhalten, von den ich neues lernen kann. Und solche How to-Artikel sind eine gute Möglichkeit sich auf die Schnelle mit einem persönlichen Thema zu befassen,  ohne seitenweise Literatur erforschen zu müssen. Zeit ist ja bekanntlich begrenzt und diese möchte man ja auch mit den schönen Dingen des Lebens füllen. Zum Beispiel der praktischen Anwendung.

Zeitvertreib ist auch eine Variante. Ich mein, wer hat sich nicht schon mal dabei ertappt,  sinnlos durch die tiefen des WWW zu surfen? Und solche Artikel leisten hin und wieder auch einen Beitrag zu Erheiterung.

Wann lest hier solche How tos? Und welche? Kommentare sind erwünscht ;-)

Freitag, 19. April 2013

How to achieve work-life balance

Quelle: Pixabay.com
Gerade habe ich mir den Artikel von Sabine Hockling zum Thema Work-Life balance angeschaut, da ich meinen Fokus der allgemein verbreiteten These zur Generation Y gelegt habe. Das soll hier aber nicht zum Personaler-bashing (wenn wir schon bei Anglizismen sind) ausarten.

Ich finde es ja sehr lobenswert, wenn sich Menschen, vorzugsweise mit einschlägiger Erfahrung, zu solchen Themen äußern und während sie aus dem Nähkästchen plaudern, auch ein paar Tipps zu "Wie bewältige ich mein Leben" geben. Dennoch habe ich große Schwierigkeiten mit solchen Lebensweisheiten. Natürlich darf der Trend zur Selbsthilfe nicht außer Acht gelassen werden. Menschen sehnen sich in unserer immer komplexer werdenden Welt nach ein bisschen Ordnung und Orientierungshilfen. Und das ist auch gut so. Allerdings ist der Versuch der Kategorisierung nicht unbedingt hilfreich,  um das Gespür zur eigenen Entwicklung (Methodenkompetenz) von Lösungen für andere Probleme zu stärken. Konkret geht es mir darum, dass wir verlernen uns selbst zu helfen und verlassen uns dabei immer gerne auf die selbsternannten Gurus des Lebens. Was folgt ist eine Schar von Lemminge, die völlig überfordert mit sich selbst und ihrer Umwelt sind.

Der Drang zur Selbstorganisation führt zu einer Gesellschaft die ständig auf der Suche nach neuen Regelungen und Selbsthilfeanleitungen ist. Und dabei geht zu sehr die menschliche Komponente verloren. Wir sind so mit uns selbst beschäftigt,  dass wir uns zu hirnlosen Zombies entwickeln und die Sozialkompetenz darunter leidet. Ist es nicht viel aufregender und lehrreicher, auf das eigene Gefühl zu achten, Dinge neu auszuprobieren, dabei auch gerne mal auf die Fresse zu fallen und letztendlich ein Gespür dafür zu entwickeln,  wie wir mit unserem Leben klar kommen? Und nebenbei tauschen wir uns mit unserem sozialen Kreisen aus und fördern so das Zusammenleben.

Das erfordert natürlich ein gewisses Maß an Mut, die Augenbinde abzunehmen, den Blindenführer loszulassen und mit offenen Augen und neuem Selbstbewusstsein loszuziehen und eigene Erfahrungen zu sammeln, anstatt diese von vermeintlichen Vorbildern ständig wiederzukäuen. Wie heißt es doch so schön: Wer nur in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt keine eigenen.

Schönes Wochenende.

Freitag, 12. April 2013

Warum eigentlich Wirtschaftspsychologie studieren?


Mittlerweile studiere ich Wirtschaftspsychologie im fünften Semester. Da kommt zurecht die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieses Studienganges auf. Wirtschaftspsychologie ist ein interdisziplinärer Studiengang, welcher sowohl Teile der Betriebswirtschaftslehre als auch Teile der angewandten Psychologie abdeckt. Kritiker sagen hier nicht ohne Grund, dass es wieder einer dieser Mischstudiengänge ist, die Absolventen ohne richtigen Schwerpunkt abdeckt und mit zu wenig Fachwissen produziert.  Mir stellt sich allerdings die Frage: "Ist das überhaupt nötig?". Wir leben in einem Zeitalter, in dem sich die Informationsmenge jährlich verdoppelt. Irgendwann ist einfach Schluss, da geht dann nicht mehr viel in die Birne. Wobei ich davon überzeugt bin, dass wir nicht mal den Großteil an Potential unseres Gehirns verwenden und einige weniger davon benutzen, als es dem Otto-Normalbürger eigentlich lieb ist... . Allerdings lässt sich in der relativ kurzen Zeit unserer akademischen Ausbildung nicht so viel Wissen aufnehmen, wie für die im Anschluss folgende Praxisphase notwendig wäre. Das ist auch nicht nötig. Viel mehr ist es wichtig, dass unsere zukünftigen Absolventen ihre Methodenkompetenz erweitern. Also die Fähigkeit, sich Wissen selbstständig anzueignen und Lösungen zu einer Problemstellung zu generieren. Klingt gar nicht so schwer, oder? Meine Erfahrungen zeigen, dass während des Studiums oft viel zu wenig dafür getan wird. Der Anspruch, aus uns Studenten ein wandelndds Lexikon oder eine Formelsammlung zu machen, ist meiner Meinung nach noch viel zu ausgeprägt. Dabei wäre es viel sinnvoller, den Studenten zu zeigen, wie sie denn die benötigten Informationen bekommen. Für viele scheint der Begriff Google eine Art Fremdkörper zu sein. Geschweige denn, wenn es um die Nutzung geht.
Wenn ich diese Studieninhalte also genauer betrachte, spielen Softskills und theoretsiches Grundwissen der Psychologie eine wichtige Rolle. Hinzu kommen tiefergreifende Inhalte im Bereich des Marketings und Personalmanagements. In der Marketingwelt ergeben sich bspw. Fragen über die richtige Gestaltung von Werbung. Das richtige Platzieren der Produkte am Markt, angepasst an die Bedürfnisse des Konsumenten. Sogar die Musik im Supermarkt spielt beim Kauf eine wichtige Rolle. Hier ergeben sich also eine ganze Reihe von interessanten Fragestellungen. Betrachten wir den Personalbereich, geht es hier bspw. um die richtige Auswahl des Personals. Denn wie schon angesprochen, ist das Fachwissen und die Soziale Komponente nicht alleine für die Einstellung entscheidend, sondern ebenso die Methodenkompetenz. Spätestens nach der Auswahl und dem Einsatz muss ich mir dann Gedanken darüber machen, wie ich mein Personal auf die sich ständig ändernden Bedingungen anpasse. Sprich, die Personalentwicklung tritt hier in den Vordergrund. Das allein führt aber zu wenig Erfolg, wenn das Lernpotential des Mitarbeiters ausgeschopft oder dieser völlig demotiviert ist.
Wie man sehen kann, birgt der Studienzweig der Wirtschaftspsychologie eine Reihe von interessanten Einsatzfeldern. Allerdings bleibt abzuwarten, wie unsere heutigen Personaler auf  diese Ausbildung eingestellt sind. Denn verfolgt man die Meinung der Personalchefs über die Generation Y in der Presse, scheinen diese noch nicht so recht verstanden zu haben, wie sie sich auf die frisch ausgebildeten und hochmotivierten jungen Leute einstellen sollen.

Samstag, 22. Dezember 2012

Der Untergang vom Weltuntergang

Noch nie habe ich einen so großen Weltuntergangs - Hype erlebt wie diesen. Wenn das die Maya geahnt hätten, was sie da auslösen. Sei es drum. Ich hoffe jedenfalls, das niemand von den Lesern hier an diesen prophezeiten Untergang geglaubt hat. Aber wie ist es mit denen, die wirklich davon überzeugt waren? Wie gehen die damit um? Denn offensichtlich ist uns das erspart geblieben. Dieser Untergang.
Hierfür hat unser Gehirn einen durchaus effektiven Mechanismus entwickelt, den Leon Festinger (1957) in der 'Cognitive Dissonance Theory' beschreibt. Diese sogenannten kognitiven Dissonanzen sind widersprüchliche Gedankengänge, die in uns eine Art 'Störgefühl' erzeugen. Sie treten auf, wenn unsere Überzeugungen nicht mit den Ereignissen unserer Umwelt übereinstimmen. Das heißt allerdings nicht automatisch, dass wir unsere ursprünglichen Gedanken verwerfen, denn wir Menschen sind unglaublich gut darin, uns unsere Umwelt so zu gestalten, wie wir es für richtig halten. Dabei handeln wir auch nicht immer rational.
So viel zur Theorie. Jetzt wird es konkret. Was bedeutet das in unserem Fall? Jemand, der fest daran geglaubt hat, wird sich nach dieser Theorie also erklären müssen, warum dieses Ereignis doch nicht eingetreten ist. Der Focus Online Artikel nennt ein paar sehr unterhaltsame Erklärungsversuche der Esoteriker. Der Artikel stellt auch sehr gut dar, dass diese Erklärungsansätze alles andere als rational sind. Das naheliegendste Model sagt beispielsweise, dass die Prophezeiung zwar eintreffen wird, jedoch der genaue Zeitpunkt falsch interpretiert wurde. Das funktioniert ähnlich wie mit Horoskopen. Diese sind so vage formuliert, dass sie zwangsläufig auf die ein oder andere Person zutreffen muss. Und mit diesem Erklärungsmodell liegen Esoteriker gar nicht mal so verkehrt. Nämlich dann, wenn unserer Sonne der Treibstoff ausgeht und wir im Zuge ihrer Volumen - Vergrößerung sprichwörtlich 'gegrillt' werden. In zirka 5 Milliarden Jahren.
Bis die Erde also tatsächlich untergeht, bleibt uns noch ein bisschen Zeit. 0b wir das auch noch miterleben werden, steht allerdings auf einem anderen Blatt.
Vielen Dank für's Lesen. Für Feedback und weiteren Diskussionsstoff bin ich ich sehr offen. Frohe Weihnachten.

Donnerstag, 3. November 2011

Besitzt Du kulturelle Intelligenz?

Seit nun 50 Jahren besteht das Anwerberabkommen mit der Türkei. Einen Beitritt der Türkei in die EU lehnt unsere Merkel allerdings ab. Wer da einen Zusammenhang sieht, möge es mir bitte mitteilen.
Nichts desto trotz hat uns dieses Abkommen geprägt. Natürlich hat dieser Handschlag seine Vor- und Nachteile mit sich gebracht. Aber wie gehen wir damit um? Oft genug bekomme ich das Unverständnis gegenüber unseren Immigranten zu hören. Hat es mit fehlender Integration zu tun? Oder der fehlenden Kompetenz mit der Kultur umzugehen?
Wenn wir uns die Entwicklung in den Unternehmen ansehen, kann man feststellen, dass in dieser Richtung ein Umdenken geschieht. Wo die kulturelle Diversität früher als Gefahr eingestuft wurde, wird sie heute immer mehr zum Gegenstand eigener Diversity-Abteilungen. Damit diese Integration aber Erfolg hat, muss sich das Unternehmen mit vielerlei Fragen auseinander setzen.

Wie unterschiedlich sind eigentlich meine Mitarbeiter?
Welche Ergebnisse können für die Arbeit erwartet werden?
Inwieweit hat Diversität einen Einfluss auf meine Produkte?
Welche Konsequenzen hat Diversität auf mein Managementverhalten?

Mit diesen Fragen umgehen zu können, auf entsprechende Einflüsse geschickt reagieren zu können. Toleranz gegenüber anderen Kulturen zu zeigen. Das sind alles Aspekte, die die kulturelle Intelligenz ausmachen. Kulturen sind oft mit Stereotypen verknüpft. Diese Stereotype bilden in unserem Gehirn Konstrukte, mit denen wir unsere Welt ordnen können. Oft sind die Stereotype leider auch negativ aufgeladen. Also müssen wir sensibel damit umgehen. Denn warum sind Verhaltensweisen gleich negativ, nur weil sie nicht unserem Standard entsprechen? Ist es nicht wesentlich reizvoller, ein Verständnis für diesen Menschen zu entwickeln, der sich uns gegenüber so „anders“ verhält? Warum versuchen wir nicht einen Kompromiss zu finden, mit denen beide Leben können und unserer Gesellschaft einen großen Mehrwert bringen? Wir alle sind in der Lage uns auf verschiedenen Ebenen zu bewegen, auch ohne unsere eigene Identität zu verlieren. Mit interkultureller Flexibilität und vor allem Respekt.

Freitag, 7. Oktober 2011

Hast Du auch eine multiple Persönlichkeit?


Hören wir uns diesen Begriff an, fragen wir uns zu Recht, welche Bedeutung sich dahinter verbirgt. Nehmen wir dieses Wort auseinander, fallen uns die Worte „Persönlichkeit“ und „Psychologie“ ins Auge. Ist es also die Psychologie der Persönlichkeit? Oder die Persönlichkeit der Psychologie? Letztere würde allerdings voraussetzen, dass Psychologie eine eigene Identität hat, gar ein Lebewesen ist. Das ist natürlich absurd. Aber was genau ist nun Persönlichkeitspsychologie?
Einer allgemeingültigen Definition nach beschreibt die Persönlichkeitspsychologie – oder auch differentielle Psychologie, als die Wissenschaft über das Erleben und Verhalten eines Individuums. Und genau hier haben wir auch die Abgrenzung zur Sozialpsychologie, welche sich im Allgemeinen mit der Gruppe, bzw. dem Individuum in einer Gruppe auseinandersetzt.
Soweit so gut. Aber was macht die Persönlichkeit eines Individuums aus? Nehmen wir hierzu mal das Individuum Mensch. Ein Mensch hat also eine Persönlichkeit. Wobei die Persönlichkeit sehr viele Fassetten beherbergt. Persönlichkeitsmerkmale können beispielsweise Eigenschaften sein, die uns von anderen Menschen unterscheiden. Jeder von uns hat gewisse Merkmale, die uns einzigartig machen. Deswegen passte der Begriff des Individuums sehr gut. Mit diesen Merkmalen treten wir in der Umwelt auf. Dieses Auftreten hat dabei auf andere Menschen einen nicht zu unterschätzenden Einfluss. Halt Stopp! Hier gehen wir wieder in den Bereich der Sozialpsychologie. Puh, also gerade noch so die Kurve gekriegt. Diese Merkmale zeigen wir aber nicht ständig. In einigen Situationen können sie auftreten, und wiederrum in anderen Lagen verborgen bleiben. Wobei wir hier beim Verhalten wären. Wenn wir also in gewissen Situationen gelassen reagieren können, beispielsweise beim Lesen eines Buches, so muss diese Gelassenheit beim Autofahren im Stadtverkehr zu besonderen Stoßzeiten nicht unbedingt auch einen Ausdruck finden. Wir können also sagen, dass wir in verschiedenen Situationen uns auf differente Weise verhalten. Wir haben sozusagen eine multiple Persönlichkeit. Was sich im Normalfall wie eine Krankheit anhört, ist im Normalfall aber eben völlig normal. Die Kunst dabei liegt darin, diese Verhaltensweisen zu erkennen, um ein nicht erwünschtes Verhalten entgegen steuern zu können.
Hier wären wir allerdings beim Thema Selbstreflexion. Hast Du dir schon einmal Gedanken über dein Selbst gemacht? Dann hast Du dich vielleicht dabei ertappt, wie Du dich darüber geärgert hast, dass Du in einer bestimmten Situation nicht das von Dir gewünschte Verhalten gezeigt hast. Das ist aber nicht schlimm. Denn ein Großteil unserer Verhaltensweisen aktiviert sich unbewusst. Steuerbar sind sie nur begrenzt. Zum Glück, könnte man meinen. Denn wir Menschen wären wahrscheinlich nicht mehr individuell, wenn wir uns in jeder Lage wie gewünscht verhalten würden, quasi wie uns unsere „Vorbilder“ suggerieren, wie wir uns zu verhalten haben. Und das wäre langweilig, oder?

In diesem Sinne, seien Sie eine multiple Persönlichkeit!

Dienstag, 30. August 2011

Wie auch der Student seine Ziele erreicht

In Anlehnung an meinen letzten Blogpost stelle ich mir nun die Frage: Was für Aufgaben und Ziele stellt ihr euch, um nicht in völliger Antriebslosigkeit zu versinken? Was hält euch auf der Spur?
Oftmals wird jedes neue Jahr dazu missbraucht, solch' guten Vorsätze zu formulieren. Mit miserablem Erfolg. Schon nach Wochen stellt sich das Vorhaben ein, endlich mal mehr Sport zu treiben, oder mit dem Rauchen aufzuhören. Zugegeben, das sind Ziele, die sehr Allgemein gefasst sind. Und trotzdem stellen wir uns jedes Jahr solchen Herausforderungen. Und seien wir mal ehrlich, es gibt doch nicht demotivierendes, als sich Ziele zu setzen, die ersten viel zu hoch gestochen sind und zweitens nicht klar genug definiert sind. Denn nur wenn man seine Ziele klar vor Augen hat, ist man auch gewillt, diese zu erreichen.
Viele machen neben der viel zu allgemeinen Formulierung noch den Fehler, die Ziele in viel zu weiter Ferne rücken zu lassen. Wer schon einmal was vom Goal-Gradient-Effekt gehört hat, der weiß, was ich meine. Dies ist ein Alltagsphänomen, welchem wir immer wieder ausgesetzt sind. Denn je mehr wir uns einem Ziel nähern, desto mehr strengen wir uns an. Sollte es also nicht so sein, dass wir uns besser kleinere Ziele setzen, damit wir sie auch wirklich umsetzen? Natürlich sollten diese Ziele nicht zu anspruchslos sein, da sonst der Reiz des Erreichens verloren geht. Deswegen hielt ich auch das Vorhaben, täglich eine bestimmte Wortzahl über meinen Gedankenfluss zu verfassen, für durchaus machbar und trotzdem leistungsbezogen.

Und jetzt seid Ihr dran! Mit welchen Zielen motiviert Ihr euch?

Kleiner Lesetipp: Wer sich über den alltäglichen Wahnsinn und weiteren psychologischen Phänomenen in unserer Umwelt informieren möchte, dem kann ich das Buch "Ich denke, also spinn ich" von Daniel Rettig & Jochen Mai empfehlen.

Sonntag, 21. August 2011

Der Druck von außen


Warum verhalten sich Menschen innerhalb von Gruppen bzw. in unserer Gesellschaft konform? Ist es, weil wir alle hirnlose Zombies sind, ohne eigenes Rückgrat, ohne Meinung und in unserer Welt völlig hilflos ausgesetzt? Diese Frage mit „Ja“ zu beantworten würde jetzt wohl ziemlich viele Gemüter erhitzen. Weshalb ich mich mal Konform verhalte. Natürlich nur, um nicht als Spinner abgestempelt zu werden.

Wir verhalten uns so, weil es viele Dinge für uns einfacher macht. Den ersten habe ich bereits indirekt genannt. Wir haben Angst vor Sanktionen seitens unserer Gesellschaft, oder der Gruppe in der wir uns befinden. Wir stehen hierbei unter dem sogenannten normativen Einfluss. Wir streben nach dem Bedürfnis akzeptiert zu werden. Wir Menschen sind in unserer Kultur gewissen Werten ausgesetzt, die es zu halten gilt. Menschen, die sich wider diese Werte verhalten, werden in der Regel mit Spot und Verachtung bestraft. Im schlimmsten Falle greift sogar der Staat in unsere Autonomie ein. Halten wir uns an die vorgelebten Werte, ist alles gut. Und das ist doch letztendlich unser Ziel, wir wollen Anerkennung in unserer Gruppe erreichen. Von ihnen respektiert und geschätzt werden. Dass es sich negativ auf uns auswirkt, wenn wir uns dem nicht gerecht verhalten, brauche ich wohl nicht zu betonen.

Stellen wir uns einmal die Situation vor, in dem wir das Geschrei einer Freundin aus dem Flur in der Uni hören. Nehmen wir es als ernstzunehmenden Hilferuf wahr, oder stempeln wir es als herum Alberei mit einen unserer Kommilitonen ab? Wir befinden uns also hier in einer Situation, die eindeutig mehrdeutig klingt. Je unsicherer wir uns sind, desto mehr unterstehen wir hier dem informationellen Einfluss. Nicht zu selten verlassen wir uns dabei auf der Verhalten anderer Personen, die sich in unserem Umkreis befinden. Wie wir bereits wissen, stehen wir in unserer Umwelt ständig unter einem gewissen Konformitätsdruck. Hören wir also nun das Geschrei einer Freundin, so nehmen wir Notiz von den Menschen, die uns umgeben. Wie verhalten die sich? Könnte dies einen Einfluss darauf haben, wie wir uns verhalten? Wenn Du auch dieses Verhalten zeigst, keine Angst, das hat nichts mit der im ersten Abschnitt genannten Hypothese zu tun. Das ist völlig normal. Denn in gewissen Situationen müssen wir uns schnell entscheiden können. Wir wollen beispielsweise unser Bedürfnis befriedigen, zu wissen, was richtig ist. Und manchmal haben wir nicht die Zeit, um uns ein genaueres Bild über eine Situation zu machen. Trotzdem müssen schnellstmöglich eine Entscheidung zu treffen. Deswegen ist es völlig legitim, sich auf andere zu verlassen. Natürlich kann dieser Schuss auch nach hinten losgehen. Nicht selten kommt es zu Vorfällen, in denen Delikte passieren, in denen der Täter unter den Augen der Passanten den Tatort ohne jeglichen Widerstand verlassen kann. Der Konformitätsdruck und das gleichzeitige Verlassen auf den Anderen kann also auch eine negative Folge haben. Es hilft uns aber, schnelle Entscheidungen treffen zu können.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie können wir dem widerstehen?
Wollen wir nun eine Entscheidung treffen, ob es legitim ist, der vorherrschenden Gruppenmeinung zu folgen, sollten wir uns die Frage stellen, ob vielleicht jemand in der Nähe ist, der die Situation besser einschätzen kann? Und vor allem, aus welchem Grund sollte die neben mir stehende Person mehr wissen als ich? Und inwiefern erscheint mir die Aktion des vermeintlichen Experten oder Besserwissenden als sinnvoll? Wir sollten aus nicht gänzlich auf unseren Menschenverstand verzichten.

Was aber tun, wenn die herrschende Meinung eine andere ist, als die wir sie besitzen? Wir also weiterhin dem normativen Einfluss unterstehen, obwohl wir für uns entschieden haben, einen anderen Weg einzuschlagen? Zunächst sollten wir uns erst einmal bewusst machen, dass es diesen Einfluss gibt. Ein Versuch könnte sein, andere zu finden, die mit deiner Meinung übereinstimmen, um so die Mehrheit von deiner subjektiven „richtigen“ Meinung zu überzeugen. Außerdem gibt es da noch den sogenannten Idiosynkrasiekredit! Was ist das schon wieder? Der sagt letztendlich nichts anderes aus, dass wenn wir uns hin und wieder nicht konform verhalten, wir uns unserer Bild gegenüber den anderen nicht direkt kaputt machen, wenn wir uns vorher schon öfters der Gruppe gegenüber konform – also wie gewünscht, verhalten haben. Quasi wie eine Prepaid Karte. Sie wird mit positivem Verhalten „aufgeladen“ und kann dann bei Bedarf verbraucht werden.

Mittwoch, 17. August 2011

Mediation, nicht Meditation!

Na, wer hat beim ersten Lesen des Wortes Mediation, an das Wort Meditation gedacht? Mediation und Meditation sind dabei zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Letzteres würde hier wohl kaum reinpassen - oder vielleicht doch? Und ersteres werde ich nun versuchen zu beleuchten.

Mediation ist eine Technik zur betrieblichen und außergerichtlichen Lösung von Konflikten zwei, oder mehreren Parteien. Dabei stellt sich ein sogenanntes Mediationsteam vor, welches den Prozess der Konfliktlösung begleitet. Die Medianten (Konfliktparteien), sollen während des Prozesses die Mediation mit Inhalt füllen.
Doch wie verläuft eine sogenannte Mediation? Die Antwort ist recht einfach, obgleich die Durchführung die eigentlichen Knackpunkte enthält. Das ist unter anderem ein Grund, warum speziell für solche Fälle ein geschultes Mediationsteam benötigt wird. Der Mediationsprozess lässt sich kurz gesagt in 6 Phasen aufteilen.
Nach der Vorbereitung – die Phase 0 – in der die Basis (Termin, Ablauf, Kosten, Ort) geschaffen wird, geht es Rund in Phase 1:

Phase 1: Den sicheren Rahmen schaffen
Diese Phase ist unter anderem sehr wichtig, um die Grenzen aufzuzeigen, in dem sich alle Beteiligten bewegen sollen. Es werden Gesprächsregeln festgelegt, Verhaltensweisen definiert und das wichtigste in dem Punkt, eine Vertraulichkeit mit den Mediatoren hergestellt.

Phase 2: Darstellung des Konflikts
Hier sollen die Medianten ihre Position offen legen und aus ihrer Sicht darstellen. Das Mediationsteam versucht derweil die wichtigsten Themen herauszustellen und fasst diese zusammen. Das soll die Erfassung von Themenschwerpunkten erleichtern und ermöglicht das strukturierte Arbeiten.

Phase 3: Konflikterhellung
Nach dem die Konfliktparteien ihre Sicht der Dinge offen gelegt haben, sollen hier ihre Interessen und Bedürfnisse geklärt werden. Nehmen wir als Beispielmodell die 4 Seiten der Nachricht von Schulz von Thun, so stellt jede Nachricht die Information, Beziehung, Apelle & Selbstoffenbarung des Senders dar. Das hier und dort Konflikte entstehen, hat damit zu tun, dass eins oder mehrere Kanäle nicht vom Empfänger verstanden wurden, oder nur unzureichend genau vom Sender dargestellt wurden. Hier sollen die Parteien für diese Kommunikationskanäle sensibilisiert werden.

Phase 4: Lösungssuche
Stellen wir nun sowohl die Positionen, als auch die Erwartungen der Parteien gegenüber, ist es uns nun möglich, nach einer Lösung zu suchen. Diese beruht meist wohl auf einen Kompromiss. Jede Partei will natürlich ihre eigenen Interessen durchsetzen. Soll es aber zu einer Einigung kommen, müssen sich die Parteien auf einen Kompromiss einigen. Im Idealfall treffen sie sich hier in der Mitte. Als Werkzeug steht beispielweise das Brainstorming zur Verfügung. Wichtig dabei ist, dass alle Vorschläge zunächst unbewertet bleiben und kommentarlos notiert werden.

Phase 5: Lösungsvorschläge verhandeln
Aus der Fülle an Vorschlägen bewerten die Medianten nun diese, welche ihren Interessen am meisten zusagen. Aus den am besten bewerteten Vorschlägen sollen nun von allen Parteien diejenigen herausgesucht werden, welche für die konkrete Lösung des Problems hilfreich sind und die Interessen beider Parteien decken.

Phase 6: Planen erforderlicher Schritte und Abschluss der Vereinbarung
Sind die Lösungsvorschläge herausgearbeitet worden, fasst das Mediationsteam diese nun zusammen und prüft sie nach der Umsetzbarkeit. Gegebenenfalls müssen hier und da noch ein paar Anpassungen und Neuverhandlungen gemacht werden. Gemessen wird die Umsetzbarkeit an der „SMART“-Formel: spezifisch-messbar-ausführbar-realistisch-terminiert. Diese werden dann schriftlich verfasst und von den Parteien unterzeichnet.

Was ist mit der Umsetzbarkeit?
Ob die Durchführung so gelingt, wie beschrieben, kann ich aus eigener Erfahrung leider nicht schildern. Zunächst müssen wir das nun einmal so hinnehmen. Vielleicht hat schon wer Erfahrungen diesbezüglich gemacht und möchte diese hier schildern. Meiner Meinung nach stehe ich dem im Grunde sehr positiv gegenüber, da vor allem erst die Seiten der Parteien herausgestellt werden. Dann, und das ist meiner Meinung nach der wichtigste Punkt, wird der anderen Partei gezeigt, was mit dem Handeln und Kommunizieren erreicht werden sollte. Spätestens hier sollte den Parteien klar werden, dass der andere völlig missverstanden wurde. (Stichwort: Beziehung & Apelle der Nachricht). Ich kann erzählen so viel ich will. Solange mein Gegenüber nicht versteht, was ich von ihm will, kann ich noch so viel erzählen. Und wenn meine Laute im schlimmsten Falle noch falsch verstanden werden, ist der Konflikt vorprogrammiert.

Und warum der Gang zum Mediator, anstatt zum Richter?
Dazu braucht man sich eigentlich nur den Ausgang eines solchen Prozesses anschauen. Beim Gerichtsprozess wird fast schon willkürlich entschieden, wer Recht hat und wer im Unrecht ist. Dass dabei eine Partei gewinnt und die andere verliert ist absehbar. Wohin gegen beim Mediationsprozess die Ziele und Interessen beider Parteien berücksichtigt werden sollen. Noch dazu sind es die Parteien, die den Weg des Kompromisses einschlagen. Das heißt es kommt nur zu einer Einigung, wenn alle Parteien sich gleichwohl behandelt fühlen. Noch dazu verspricht dieser Weg auch eine schnellere Lösung des Konfliktes, während ein Gerichtsprozess sich über Wochen, Monate hinausziehen kann, bevor es zu einem Urteil kommt. Die Beilegung des Konfliktes beim Mediationsprozess ist zudem nachhaltig orientiert. Wenn ich mit der Konfliktpartei auseinander gehe, haben wir in der Regel einen Kompromiss gefunden, der uns beide zufrieden stellt. Beim Gerichtsurteil wird dies wohl kaum möglich sein. Womöglich werde ich mit der anderen Partei nie wieder freiwillig ein Wort wechseln.

Quelle: Weckert, Al; Oboth, Monika (2011): Mediation für Dummies ; [Konflikte wirkungsvoll klären]. 1. Aufl. Weinheim: Wiley-VCH (… für Dummies).

Mittwoch, 10. August 2011

Wie sich Prophezeiungen von selbst erfüllen


Zugegeben, die Überschrift klingt natürlich ziemlich absurd. Prophezeiungen sind schließlich dazu da, um sich zu erfüllen. Dass wir dabei oft aber einen entscheidenden Beitrag leisten. Ist vielen nicht bewusst.
Nehmen wir mal an, wir begegnen einem neuen Menschen in einem Café. Vielleicht haben wir von einem Bekannten erfahren, wie diese Person wohl sein mag. Oft bekommen wir schon Informationen über Person, bevor wir direkt in Kontakt mit ihr treten. Haben wir beispielsweise schon die Information erhalten, dass diese Person als „kalt“ bewertet wird, so entsteht bei uns schon eine gewisse Erwartung, wie das Zusammentreffen verlaufen wird. Und an diesem Punkt setzt die Theorie der sich selbsterfüllenden Prophezeiung an. Wenn wir einer Person begegnen, so kommen wir nicht einfach zu einem Schluss über diese Person. Vielmehr beeinflusst unsere Erwartungshaltung unser Verhalten gegenüber dieser Person. Wenn wir also schon vor dem Treffen mit dieser Person davon ausgehen, dass diese kaltherzig ist, so verhalten wir uns in der Regel zurückhaltend oder gar abweisend und desinteressiert. Dieses Verhalten gegenüber der anderen Person veranlasst diese, sich genauso wie wir zu verhalten. Oder wie treten Sie einem Menschen gegenüber, der sich Ihnen gegenüber abweisend und desinteressiert verhält? Wahrscheinlich ebenso. Unser Verhalten aufgrund unserer Erwartungen veranlasst also die Person, mit der wir in Kontakt treten, sich genauso zu verhalten, wie wir es tun. Dieses Verhalten wird dann so bewertet, wie wir es vorher erwartet haben. Dadurch bekommen wir den Eindruck, dass diese Person kalt ist. Anders herum verhält es sich genauso. Eine Person, von der wir erwarten, dass diese warm, aufgeschlossen und kontaktfreudig ist, verhalten wir uns auch gegenüber dieser dementsprechend. Das führt dazu, dass sich diese Person uns gegenüber auch so verhält, wie wir es erwartet haben.
In einem Versuch zu diesem Thema wurde einer Gruppe von Lehrern erzählt, sie erhalten eine Klasse mit aufgeweckten Schülern. Der anderen Gruppe von Lehrern erzählte man, ihre Klasse sei eher mittelmäßig, weshalb sie nicht so große Erwartungen an die Schüler stellen sollten. Tatsächlich bekamen sie alle aber Klassen, wie sie in jeder Schule vorzufinden sind. Das Ergebnis war gleichermaßen erschreckend wie verblüffend. Die Klassen, von denen die Lehrer vorher unterrichtet wurden, sie seien aufgeweckt und neugierig, wurden tendenzielle besser bewertet, als Klassen mit der Gruppe von Lehrer, die scheinbar nur der Mittelklasse entsprechen. Die Lehrer sind bei dem Versuch mit der entsprechenden Erwartung an die Schüler herangetreten und gingen auch unterschiedlich mit ihnen um. Dies hatte zur Konsequenz, dass die Schüler ebenfalls entsprechend auf den Lehrkörper reagiert haben.
Dieser Effekt wird auch in der Hypnosetherapie verwendet. Der Glaube an etwas, reicht also aus, um es wahr werden zu lassen. Schafft es also der Hypnotiseur also, dem Hypnotisierten das Glauben zu vermitteln, die Arme seien schwer, so wird dieser nicht mal in der Lage sein, einen Bleistift aufzuheben. Der Glaube daran schwach zu sein, reicht also aus, um es tatsächlich zu sein.
Dies lässt also folgenden Schluss zu: Unsere Gedanken und Erwartungen können so stark sein, um eine Prophezeiung wahr werden zu lassen. In diesem Sinne, versuche positiv zu denken, dann werden auch die Hürden, die sich einem in den Weg stellen, nur als kleine Stolpersteine betrachtet, auf dem Weg, das Ziel zu erreichen.

Mittwoch, 3. August 2011

"Man kann nicht nicht kommunizieren"

- Paul Watzlawick. Heute will ich mal eine kleine Einführung in die Kommunikationspsychologie kommunizieren. Beschäftigt man sich mit dem Herrn Watzlawick, stößt man recht schnell auf die 5 Axiome der Kommunikation. „Man kann nicht nicht kommunizieren“ ist eines davon. Warum? Denn jede Kommunikation ist eine Form von Verhalten und jetzt versuchen Sie mal sich nicht zu verhalten. Schwierig, oder? Wodurch drückt sich Verhalten aus? Die Aufzählung beginnt mit der Gestik, Mimik, Stimme, Körperhaltung, Blickkontakt und endet mit dem räumlichen Abstand, körperliche Berührung und der Staffage (Kleidung, Frisur, Statussymbole usw.). Spätestens nach dieser Aufzählung sollte klar sein, wie schwer bzw. unmöglich es ist, nicht zu kommunizieren. Selbst wenn wir einfach nur da sitzen, in einem Raum, vielleicht einem Wartezimmer, drücken wir beispielsweise durch unsere Mimik unsere Stimmung aus. Vielleicht kommuniziert unsere Kleidung gerade unsere politische Richtung. Oder der Blickkontakt, wie Intro bzw. Extrovertiert wir gerade sind. Diese Beispiele lassen sich beliebig fortsetzen. Was signalisiert wohl gerade die Thermoskanne neben meinem Laptop? Ja auch Objekte sind eine Form von Kommunikation! Oder wer würde bei einem Ring am Ringfinger eines Paares nicht davon ausgehen, dass sie verheiratet sein könnten?

2. Axiom: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt
In jeder Form von Kommunikation gibt es einen Sender und einen Empfänger. Beim Inhaltsaspekt soll die eigentliche Information vermittelt werden. Doch der Beziehungsaspekt bestimmt, wie die Nachricht beim Empfänger ankommt. Spätestens hier merkt man, dass der Inhaltsaspekt vom Beziehungsaspekt bestimmt wird. Was will ich damit sagen? Beim Sender und Empfänger kommt es immer auf die Beziehung zueinander an, wie die Nachricht ankommt. Wer war denn noch nicht in der Situation, in der man dazu gezwungen wurde zu sagen: „Das war doch nicht so gemeint!“? Wie kommen solche Missverständnisse zustande? Habe ich mich nicht verständlich ausgedrückt? Habe ich undeutlich gesprochen? Oder will mich mein Gegenüber einfach nicht verstehen? Hier lässt sich meiner Meinung nach sehr gut das Modell von Schulz von Thun integrieren, der von den 4 Seiten der Nachricht spricht. Diese sind Sympathie und Antipathie, und Unter- bzw. Überordnung. So kann selbst ein Lob vom jemandem abgewertet werden, dem man negativ gegenüber eingestellt ist. Nehmen wir mal die Aussage: „Das ist aber eine schöne Uhr, die du trägst.“ Von einem Freund würden wir also erwarten, dass ihm diese Uhr wirklich gefällt. Wir erzählen ihm, wo wir sie gekauft haben, was uns an ihr so gefällt und dass sie doch gar nicht so teuer war. Und wie ist das mit jemandem, den man gar nicht leiden kann? „Ach, der will sich doch nur einschleimen!“. Bei der Aussage versuchen wir dabei die Gestik, Mimik usw. vom Sender zu interpretieren. Letztendlich spielt aber die Beziehung zwischen Sender und Empfänger die entscheidende Rolle, wie wir die Nachricht auffassen.

3. Axiom: Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung
Wollen wir als Sender jemandem etwas kommunizieren, so hat dies wohl eine Ursache. Beim Empfänger löst diese Nachricht eine Reaktion/Wirkung aus. Nehmen wir als Beispiel ein Pärchen, welches schon seit Jahren zusammen lebt. Hier könnte es so aussehen: Sie nörgelt, weil Er sich ständig zurückzieht. Dabei zieht Er sich ständig zurück, weil Sie nur am Nörgeln ist. Der Teufelskreis sollte hier schon erkennbar sein. Die Reaktion von Ihr hat eine Ursache, die von Ihm ausgeht und umgekehrt. Hier liegt offenbar eine Störung vor. Bei diesem Problem geht jede Position davon aus, dass der Andere dieselbe Information besitzt, wie man selbst. Durch die subjektive Wahrnehmung passiert dann genau das, was der gestörte Kommunikationspartner prophezeit hat. (http://www.paulwatzlawick.de/axiome.html)

4. Axiom: Menschliche Kommunikation bedient sich immer analoger und digitaler Modalitäten
Dieses Axiom ist eng mit dem 2. verknüpft. Während die digitale Ebene die Inhalte übermittelt, welche komplexes Wissen und logische Verknüpfungen beinhaltet, so bezieht sich die analoge Ebene auf den Beziehungsaspekt. Dabei geht es allerdings nicht darum, wie die Nachricht beim Empfänger ankommt, sondern was der Sender damit sagen will. Wenn ich jemandem also ein Packung Pralinen schenke, so könnte ich damit sagen wollen, dass ich der beschenkten Person einfach etwas Gutes tun wollte, oder dass ich aufgrund eines Ereignisses ein schlechtes Gewissen habe, welches ich damit wieder gut machen will.

5. Axiom: Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär
Ob die Kommunikation zwischen zwei Partnern symmetrisch oder komplementär ist, hängt von der Beziehung zueinander ab. Bei symmetrischer Kommunikation handelt es sich hier um zwei gleichstarke Partner, welche versuchen eine Gleichheit zueinander aufzustellen (Minimierung von Ungleichheiten). Bei komplementärer Kommunikation handelt es sich um zwei ungleichstarke Partner, wie sie zum Beispiel in einer Beziehung zwischen Chef und Angestellte herrscht. Beide Kommunikationspartner ergänzen sich also in ihrem Verhalten. Probleme treten allerdings dann auf, wenn eine Seite das Gefühl hat, die andere Seite würde ihren Teil nicht erledigen. „Mein Chef ist unfähig und tut den ganzen Tag nichts als rumzusitzen“. Da hilft es nur, wenn beide sich an einen Tisch setzen und ihre Probleme schildern, um Missverständnisse zu vermeiden. Oft aber verhärten sich die Fronten so sehr, dass keine vernünftige Kommunikation mehr möglich ist.

Eine kleine Ausführung zur Problemlösung gibt es in dieser Quelle: http://www.paulwatzlawick.de/axiome.html
Weitere Quelle: Auhagen, Ann Elisabeth; Bierhoff, Hans-Werner (2003): Angewandte Sozialpsychologie. Das Praxishandbuch. 1. Aufl. Weinheim: Beltz PVU.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Der Hal(l)o-Effekt

Jeder kommt mit ihm täglich in Berührung. Sei es beim Essen eines Döners im Imbiss um die Ecke. Beim Kauf eines Artikels im Supermarkt oder beim Kennenlernen und Interagieren mit anderen Menschen. Laufend tritt dabei der Halo-Effekt auf. Doch was bedeutet dies überhaupt?
Halo kommt aus dem Englischen und bedeutet „Heiligenschein“. Dieser Effekt beschreibt, wie wir Dinge oder Personen einschätzen, anhand von Eigenschaften, die dieser Einschätzung vorrausgehen. Nehmen wir als Beispiel den armen Bettler von der Straße und den gepflegten, gutaussehenden Menschen, der nach einer Zigarette fragt. Das erste was wir wahrscheinlich feststellen werden, wenn wir den Bettler treffen, ist sein Aussehen. Kaputte Schuhe, Bart, faule Zähne. Dies führt dazu, dass wir ihm anhand dieser Merkmale, weitere Eigenschaften zuschreiben, die gar nicht auf ihn zutreffen müssen. Beispielsweise würden wir ihn nun als faul, süchtig nach Alkohol und schlecht im Umgang mit Geld einschätzen. Und bei dem zweiten Menschen? Wohl eher extrovertiertes Verhalten, intelligent und wohlhabend. Wir scheinen uns also Informationen aus dem Gehirn zu saugen, die auf den Menschen zutreffen müssen, um uns letztendlich entscheiden zu können, wem wir die Zigarette nun geben. Oder wer hätte nun gedacht, dass sich die gutaussehende Person, einfach nur sein Aussehen zu Nutze macht, um kein Geld für Zigaretten ausgeben zu müssen? Ist Er dann nicht der Schnorrer? Dieser Effekt hat also auch so seine Tücken. Und die Größte ist, selbst wenn wir uns dem Bewusst sind, so werden wir bei der nächsten Gelegenheit wieder darauf reinfallen.
Ich habe diesen Test mal mit zwei Gästen aus dem Restaurant gemacht, in dem ich arbeite. Beide rauchen schon seit Jahren und haben auch ihre Lieblingsmarke. Weiterhin sind sie davon überzeugt, andere Zigarettenmarken von ihrer Eigenen zu unterscheiden. Also testete ich ihre Geschmacksnerven, in dem ich sie bat, jeweils eine Malboro und eine Weste mit geschlossenen Augen zu probieren. Mit dem Ergebnis, dass ihre Einschätzung genau falsch war.. Sie waren nämlich nicht in der Lage, den Geschmack der einen Zigarette von der Anderen zu unterscheiden. Wo ist da jetzt der Hintergrund? Ganz klar, jede Marke vermittelt durch die Werbung andere Charaktereigenschaften. Die Käufer bevorzugen also eher Zigaretten, mit denen sich ihre Charaktereigenschaften decken und empfinden diese Marke als besser schmeckend im Vergleich zu anderen Zigarettenmarken. Und das, obwohl sie sich Nachweislich vom Geschmack nicht merklich unterscheiden (Leseprobe Seite 2).
Zwei weiteren Gästen habe ich mal bei Gelegenheit ein Glas Kirschsaft, garniert mit einer Limette unkommentiert hingestellt und gebeten, das Getränk zu probieren. Auf der Nachfrage hin, was das denn sei, habe ich noch einmal höflich darauf bestanden, einmal zu probieren. Dazu sollte ich vielleicht noch sagen, dass dieses Glas ein Emblem von Campari und eine etwas außergewöhnliche Form hatte. Das Ergebnis: Beide Versuchspersonen haben plötzlich Geschmacksarten wie fruchtig/säuerlich (Limette) und leicht bitter (Campari) feststellen wollen. Dabei war bloß Kirschsaft in dem Glas. Mir fallen dabei noch eine Reihe weiterer Beispiele ein. Jedoch denke ich, dass das Thema damit verstanden worden sein sollte.